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Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen

Arzneimittel gehören, richtig angewendet, zu den wirksamsten Instrumenten medizinischer Hilfe. Wegen der höheren Lebenserwartung steigt die Behandlungsdauer chronischer Erkrankungen und die Zahl multimorbider Patienten. Arzneimittel werden damit häufig zu jahrelangen Begleitern von Patienten.

Flasche mit verschütteten Arzneimitteln

Bundesweit ein Novum: Modellprojekt für sichere Arzneimitteltherapie

Nur jeder zweite Patient nimmt seine Medikamente während einer Langzeittherapie so ein, wie es der Arzt verordnet. Werden es fünf, sechs oder noch mehr Arzneimittel, verlieren die Patienten schnell den Überblick. Nicht selten entstehen durch eine falsche Dosierung, das Vergessen oder Verwechseln von Arzneimitteln oder durch eine unabgestimmte Selbstmedikation gefährliche Risiken von Wechselwirkungen und Unverträglichkeiten. Die Folgen sind zusätzliche Beschwerden oder Komplikationen.

Die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen „ARMIN“ richtet sich an die über 300.000 Versicherten der AOK PLUS, die gleichzeitig dauerhaft mehr als vier Arzneimittel einnehmen. Sie sind meist bei mehreren Ärzten in Behandlung, etwa die Hälfte liegt mindestens einmal pro Jahr im Krankenhaus. ARMIN soll Therapiesicherheit und Therapietreue verbessern sowie Arzneimittel- und Krankenhausausgaben senken. Außerdem soll mit dem Modellvorhaben die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung erhöht werden. Das Projekt läuft bis Ende 2018 und wird extern wissenschaftlich ausgewertet.

Recherchieren Sie in unserer virtuellen Pressemappe. Dort haben wir für Sie weitere Texte, Grafiken und Fotos zum Thema zusammengetragen:

Hintergrund

Das Logo der Arzneimittelinitiative

Die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen ist ein gemeinsames Modellprojekt der Kassenärztlichen Vereinigungen und der Apothekerverbände beider Bundesländer sowie der AOK PLUS. Es sollen vorrangig die Sicherheit von Arzneimitteltherapien optimiert, Anwendungsrisiken bei der Medikamenteneinnahme minimiert und damit eine optimale Arzneimittelwirkung erzielt werden. 

Ein Projekt – Drei Module

Das Modellprojekt baut auf drei Modulen auf, welche ab 1. Juli 2014 stufenweise in die Praxis umgesetzt werden. Alle drei Module des Projekts sind darauf ausgerichtet, die Arzneimitteltherapie zu optimieren und Risiken bei der Arzneimitteleinnahme zu senken. Die Wirkstoffverordnung und der Medikationskatalog starten zum 01. Juni 2014. Das Medikationsmanagement wird voraussichtlich am 01. Januar 2015 eingeführt.

In einer Grafik werden die Drei Säulen der Arzneimittelinitiative dargestellt: Medikationsmanagement, Wirkstoffverordnung und Medikationskatalog

1. Wirkstoffverordnung: Entscheidend ist der Wirkstoff
Wenn Patienten zukünftig von Ihrem Arzt ein Rezept erhalten, wird darauf vorrangig kein Präparatename, sondern der für die Therapie notwendige Wirkstoff vermerkt sein. In der Apotheke erhalten die Versicherten mit dieser Verordnung ein qualitativ hochwertiges Medikament, welches den verordneten Wirkstoff enthält; zumeist von einem Hersteller mit dem die AOK PLUS einen exklusiven Vertrag geschlossen hat. Existiert für den verordneten Wirkstoff solch eine Vereinbarung nicht, wird die Apotheke ein anderes qualitativ hochwertiges und preisgünstiges Präparat aussuchen. Der Arzt wird aber auch weiterhin die Möglichkeit haben, in medizinisch begründeten Ausnahmefällen ein spezielles Arzneimittel zu verordnen.

2. Medikationskatalog: Arzneimittelauswahl nach bester medizinischer Erkenntnis
Für vorerst acht Therapiegebiete (u. a. Herz-Kreislauf- Erkrankungen und Fettstoffwechselstörungen) wird dem behandelnden Arzt im Rahmen von ARMIN ein sogenannter Medikationskatalog zur Verfügung gestellt. Hierbei wurden, basierend auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, alle Wirkstoffe, welche bei den behandelten Erkrankungen zum Einsatz kommen, nach ihrem nachgewiesenen Nutzen klassifiziert. Dieser Medikationskatalog bietet Ihrem Arzt eine zusätzliche Hilfestellung anhand des individuellen Gesundheitszustandes der Patienten, den optimalen Wirkstoff zur Behandlung der Erkrankung auszuwählen.

3. Medikationsmanagement: Umfassende Betreuung durch Ihren Arzt und Apotheker
Hierfür können sich Versicherte der AOK PLUS einschreiben, welche dauerhaft fünf oder mehr Arzneimittel einnehmen. In diesem Zusammenhang wird z. B. ein vollständiger, aktueller und elektronisch verfügbarer Medikationsplan der Gesamtmedikation erstellt, welcher u. a. als Grundlage zur Prüfung von Wechselwirkungen, Optimierung der Arzneimitteltherapie und der sicheren Anwendung der Medikamente dient.

Vertragspartner/Beteiligte Institutionen

  • Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS)
  • Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT)
  • Sächsischer Apothekerverband e.V. (SAV)
  • Thüringer Apothekerverband e.V. (ThAV)
  • AOK PLUS – Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen

Berater sind die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. 

Ein Mann hält dem Betrachter mehrere Packungen Arzneimittel vor.

Worum geht es bei ARMIN (ehem. ABDA-KBV-Modell)?
Die ARzneiMittelINitiative Sachsen und Thüringen ist ein gemeinsames Konzept der heilberuflichen Leistungserbringer. Sie soll die Sicherheit der Arzneimittel-Therapien und die Therapietreue der Patienten erhöhen sowie gleichzeitig helfen, die Kosten im Gesundheitswesen einzudämmen. Das Modellprojekt wird in Sachsen und Thüringen implementiert. Hier sind die beiden östlichen Bundesländer bundesweit Vorreiter.

Wer ist an dem Zukunftsprojekt beteiligt?
Vertragspartner im Modellprojekt sind die Kassenärztlichen Vereinigungen Sachsen und Thüringen (KVS, KVT), Sächsischer und Thüringer Apothekerverband (SAV, ThAV) und die AOK PLUS. Von Bundesebene wird das Vorhaben von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) begleitet.

Warum wurde das Projekt gestartet?
Durch die gleichzeitige Einnahme von mehreren Medikamenten und den Trend zur Selbstmedikation haben besonders Patienten mit mehreren chronischen Erkrankungen ein hohes Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen in ihrer Arzneimitteltherapie sowie oft eine unzureichende Therapietreue. Dies äußert sich in verminderter Lebensqualität, häufigeren Arztbesuchen, Doppelverordnungen und steigenden Krankenhauseinweisungen.

Wie soll die Verbesserung erreicht werden?
ARMIN basiert auf den drei Teilen Wirkstoffverordnung, Medikationskatalog und Medikationsmanagement. Die Verordnung von Wirkstoffen anstelle spezifischer Präparate gewährleistet eine wirtschaftliche und sichere Arzneimittelversorgung. Ein Medikationskatalog sichert die bedarfsgerechte Therapie nach aktuellem Stand der Wissenschaft. Ein einheitlicher, IT-gestützter Medikationsplan verbessert die Arzneimitteltherapiesicherheit. Die Therapietreue des Patienten soll durch individuelle Maßnahmen erhöht werden.

Wo liegen die Vorteile?
Für mulitmorbide Patienten sollen sich durch das Projekt die Qualität der Arzneimitteltherapie verbessern sowie Nebenwirkungen und Krankenhauseinweisungen verringern. Ärzte und Apotheker stärken durch die Zusammenarbeit ihre heilberufliche Kompetenz.

Wann startet das Modellprojekt in Sachsen und Thüringen?
ARMIN besteht insgesamt aus drei Modulen. Das Modellvorhaben selbst ist am 01. April 2014 gestartet. Wirkstoffverordnung und Medikationskatalog werden zum 01. Juli 2014 eingeführt. Das Medikationsmanagement soll voraussichtlich zu Beginn des Jahres 2015 für die Versicherten zur Verfügung stehen.

Wer entscheidet über die Wahl der Medikamente?
Ihr behandelnder Arzt entscheidet wie bisher über die Therapie Ihrer Erkrankungen und wählt einen geeigneten Wirkstoff aus. Seine Therapiefreiheit bleibt dabei voll erhalten. Dazu wird der Arzt in der Regel statt des Präparatenamens die Angaben zu Wirkstoff, Menge und Arzneiform auf dem Rezept vermerken. In Ihrer Apotheke erhalten Sie mit dieser Verordnung ein qualitativ hochwertiges Medikament, welches den verordneten Wirkstoff und Menge enthält; zumeist von einem Hersteller mit dem die AOK PLUS einen exklusiven Vertrag geschlossen hat. Ihr Arzt hat aber auch weiterhin die Möglichkeit in medizinisch begründeten Fällen ein namentlich genanntes Arzneimittel für Sie zu verordnen.

Wie werden die Medikationspläne gespeichert und wer kann auf sie zugreifen?
Die Medikationspläne werden auf einem im sicheren Netz der KVen platzierten Server gespeichert. Zugriff auf die individuellen Daten haben ausschließlich der jeweilige betreuende Arzt und Apotheker.

Welche Patienten können sich für das Medikationsmanagement in ARMIN einschreiben?
Für das Medikationsmanagement können sich Versicherte der AOK PLUS einschreiben, die fünf oder mehr Arzneimittel dauerhaft einnehmen. Als Modellvorhaben steht das neue Versorgungsangebot vorerst exklusiv den Versicherten der AOK PLUS offen. Später können auch weitere Krankenkassen dem ARMIN-Vertrag beitreten und Ihren Versicherten anbieten. 

Eine ältere Dame liest den Beipackzettel eines Arzneimittels.

Verstärkte Zusammenarbeit
Arzt und Apotheker prüfen gemeinsam die verordneten und rezeptfreien Medikamente auf Wechselwirkungen sowie weitere mögliche Unverträglichkeiten und erstellen einen individuellen Medikationsplan. Dieser ist ein aktueller Überblick über die Einnahme aller Medikamente. Außerdem ist auch festgehalten, wann und warum welches Medikament einzunehmen ist. Das erleichtert Patienten die richtige Arzneimitteleinnahme und vermindert das Risiko von Einnahmefehlern.

Arzneimitteltherapiesicherheit verbessern
Alle drei Module des Projekts sind darauf ausgerichtet, die Arzneimitteltherapie zu optimieren und Risiken bei der Arzneimitteleinnahme zu senken. Auch Krankenhauseinweisungen lassen sich durch die Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit vermeiden. Sollte dennoch ein Krankenhausaufenthalt notwendig werden, sind die Klinikärzte mit dem aktuellen Medikationsplan umfassend über die Arzneimitteltherapie des Patienten informiert.

Kosten senken
Durch die Optimierung von Arzneimitteltherapien können u. a. Folgekosten aufgrund unerwünschter Arzneimittelwirkungen reduziert werden. Hierdurch spart die AOK PLUS Kosten. Diese Einsparungen können wieder in die medizinische Versorgung der Versicherten investiert werden. So profitiert jeder Versicherte der AOK PLUS direkt vom Modellprojekt.

Die Teilnahme ist für die Versicherten der AOK PLUS freiwillig.

Presseinfos

Modellvorhaben zum ABDA-KBV-Modell / Höhere Qualität der Arzneimittelversorgung und Unterstützung für chronisch kranke Patienten / Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen - „ARMIN“ startet am 1. April 2014

Die Apothekerverbände und die Kassenärztlichen Vereinigungen in Sachsen und Thüringen (SAV, ThAV, KVS, KVT) starten gemeinsam mit der AOK PLUS zum 1. April 2014 die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen „ARMIN“. Mit dem Modellvorhaben sollen Qualität und Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung verbessert werden. Das innovative Versorgungsangebot soll eine sichere und korrekte Einnahme der Medikamente fördern und die Therapietreue von chronisch kranken Patienten verbessern. Sachsen und Thüringen sind als Modellregion prädestiniert, da sie bundesweit den höchsten Anteil multimorbider Patienten verzeichnen, die dauerhaft mehr als fünf Arzneimittel benötigen.

Sachsen und Thüringen erproben Zukunftskonzept
2011 haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ein Zukunftskonzept zur Arzneimittelversorgung entwickelt. Der Gesetzgeber hatte mit dem § 64a SGB V eine Möglichkeit geschaffen, dieses Konzept zu erproben. Die fünf Vertragspartner der beiden Freistaaten hatten sich bereit erklärt, das Modellvorhaben weiterzuentwickeln und vorerst nach § 63 SGB V umzusetzen. Das Modellvorhaben ist auf eine Zeitdauer von bis zu fünf Jahren angelegt und wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

Stärkere Kooperation zwischen Ärzten und Apothekern
Die Initiative für eine verbesserte Arzneimittelversorgung wird stufenweise umgesetzt und basiert auf drei Modulen: Wirkstoffverordnung, Medikationskatalog und Medikationsmanagement. Nach einem Informations- und Einschreibequartal soll zum 1. Juli 2014 die Wirkstoffverordnung starten. Ziel ist es, den Fokus des Patienten primär auf den Wirkstoff statt auf das Fertigarzneimittelzu legen. Dazu wurden knapp 200 Arzneistoffe nach fachlicher Bewertung ausgewählt, die eine wesentliche Relevanz in der hausärztlichen Versorgung haben und hinsichtlich der Substitution als unkritisch eingeschätzt wurden.

Außerdem wurde ein neues qualitätsgesichertes Verfahren für die Verordnung und Abgabe dieser Wirkstoffe entwickelt. Mit Hilfe des elektronischen Praxisverwaltungssystems der Ärzte wird automatisch eine standardisierte Wirkstoffverordnungszeile erzeugt. Der Apotheker wählt anschließend anhand des rezeptierten Wirkstoffes das passende Präparat aus. Damit sollen Kosteneinsparpotentiale ohne Einbußen in der Therapiequalität gehoben werden. Die freie Therapieentscheidung des Arztes bleibt erhalten.

Gleichzeitig werden den Ärzten für bestimmte Krankheiten Therapieempfehlungen in einem Medikationskatalog zur Verfügung gestellt. Dieser soll dem Arzt eine zusätzliche Hilfestellung in seinem Praxisverwaltungssystem anbieten, um die Auswahl optimaler Wirkstoffe zur Behandlung von Erkrankungen zu unterstützen. Er listet evidenzbasiert Standard- und Reservewirkstoffe für wichtige Indikationen der Grundversorgung auf.

Zeitlich versetzt wird das Medikationsmanagement als letzte Stufe des Projekts an den Start gehen. Wesentlicher Bestandteil des Medikationsmanagements ist das Ausstellen eines jeweils aktuellen und vollständigen Medikationsplanes für den Patienten. Das Angebot richtet sich vor allem an chronisch kranke Patienten, die dauerhaft mehr als fünf Arzneimittel gleichzeitig einnehmen müssen. Hier übernehmen Arzt und Apotheker gemeinsam die kontinuierliche Betreuung der AOK PLUS-Versicherten.

Vorteile für alle Beteiligten
Insbesondere für chronisch kranke Patienten, die mehr als fünf Medikamente einnehmen müssen, erhöht sich durch „ARMIN“ die Therapiesicherheit und das Risiko von Einnahmefehlern wird vermindert. Für die zusätzlich nötigen Patientenberatungen durch die Wirkstoffverordnung und Umstellungen im Rahmen des Medikationskataloges sowie für das zeitintensive Medikationsmanagement erhalten Ärzte und Apotheker eine angemessene Vergütung. Durch die konsequentere Abgabe von Rabattarzneimitteln können die Ausgaben für die AOK PLUS gesenkt und Folgekosten durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen reduziert werden. Diese Einsparungen können wieder in die medizinische Versorgung der Versicherten investiert werden. So profitiert jeder Versicherte der AOK PLUS vom Modellprojekt.

Die Teilnahme an dem Modellvorhaben ist für alle Ärzte, Apotheker und AOK PLUS-Versicherte in Sachsen und Thüringen freiwillig.

AOK PLUS Vorstandsvorsitzender Rainer Striebel

Pressekonferenz am 28. März 2014 in Berlin zum Start der "Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen"

Es gilt das gesprochene Wort
Die AOK PLUS hat in Thüringen und Sachsen 2,7 Millionen Versicherte. Darunter ist laut einer Datenanalyse, die in unserem Haus gemacht wurde, ein 83jähriger Mann, der täglich 32 verschiedene Medikamente einnimmt. Auf nüchternen Magen vor dem Frühstück oder nach dem Essen – ich weiß es nicht. Und er weiß es vielleicht auch nicht immer. Denn man wird ja vergesslich mit den Jahren. Und 32 Pillen, Kapseln, Tropfen oder Tabletten passen in keine Standard-Tabletten-Box. Welche Risiken und Nebenwirkungen die einzelnen Medikamente haben, hat dem Mann im besten Fall sein Arzt oder Apotheker erklärt – irgendwann einmal. Vielleicht hat der Patient aber auch einen gehörigen Anteil an frei verkäuflichen Mitteln in seinem Reservoir. Und welche Wechselwirkungen dann sowohl die ärztlich verordneten Medikamente untereinander als auch diese mit den in der Apotheke, in der Drogerie oder im Supermarkt erworbenen Ergänzungsmitteln haben, das ist dem Mann ganz sicher weder bewusst noch bislang erklärt worden. Genau das wollen wir ändern – zu seinen Gunsten. Mit ARMIN – der Arzneimittelinitiative Sachsen und Thüringen, die am 1. April an den Start geht.

Vor fast genau drei Jahren, am 12. April 2011, haben ABDA und KBV ihr „Zukunftskonzept Arzneimittelversorgung" vorgestellt. Viele Kenner des Gesundheitssystems und auch die meisten Krankenkassen waren skeptisch. Die AOK PLUS hat als erste Kasse deutschlandweit den Schritt gewagt, mit Ärzten und Apothekern dazu ins Gespräch zu kommen und ein derartiges Modellprojekt zu entwickeln, das ein sinnvolles Medikamenten-Management für mehrfach kranke Patienten praktikabel machen soll.

Als starke regionale Versorgerkasse versichern wir fast die Hälfte aller Menschen in Sachsen und Thüringen. Deshalb waren wir für die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Apothekerverbände mit Sicherheit ein interessanter Partner bei diesem Projekt. Aber ich kann natürlich auch sagen, dass aus unserer Perspektive die beiden Kassenärztlichen Vereinigungen und die Landesapothekerverbände in Sachsen und Thüringen starke Partner sind, mit denen wir ARMIN als innovatives Versorgungsangebot für AOK PLUS-Versicherte in Sachsen und Thüringen umsetzen werden.

Der Gesetzgeber hat mit der Aufnahme des Medikationsmanagements in die Apothekenbetriebsordnung und den Modellvorhaben zur Arzneimittelversorgung im Sozialgesetzbuch diese neuen Möglichkeiten eröffnet, zugleich aber auch neue Erwartungen geweckt. Zunächst mussten wir uns darauf verständigen, wie wir das Vorhaben konkret umsetzen können. Es ging und geht inhaltlich um drei Aspekte: um Wirkstoffverordnung, einen Medikationskatalog und individuelles Medikationsmanagement. Und dabei waren und sind immer drei Dinge zu beachten: Bedarfsgerechtigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Bedarfsgerechtigkeit
Rund 300.000 Versicherte der AOK PLUS nehmen mehr als fünf Arzneimittel gleichzeitig ein. Fast alle davon sind bei mehreren Ärzten in Behandlung. Und etwa die Hälfe liegt mindestens einmal pro Jahr im Krankenhaus. Diesen AOK-Versicherten unterbreiten wir mit ARMIN, der ARzneiMittellnitiative Sachsen Thüringen, ein neues Versorgungsangebot.

Qualität
Die auch heute schon mögliche - freihändige - Wirkstoffverordnung wurde in ARMIN dahingehend weiterentwickelt, dass Unklarheiten und Rücksprachen vermieden werden und für den Apotheker ein eindeutig belieferbares Rezept vorliegt. Der Medikationskatalog bietet eine qualitativ hochwertige Entscheidungshilfe für die leitliniengerechte (evidenzbasierte) ArzneimitteItherapie wichtiger Erkrankungen in der hausärztlichen Versorgung. Und schließlich soll das geplante Medikationsmanagement das Vertrauen des Patienten in seine Arzneimitteltherapie stärken.

Um an dem eingangs zitierten Extrembeispiel zu bleiben: die Gesamtmedikation des (in diesem Fall) 83-Jährigen wird umfassend geprüft. Er erhält die Möglichkeit, mit seinem (Haus)arzt und seinem „Vertrauens“-Apotheker seine Erwartungen an seine Arzneitherapie zu besprechen. Für ein solches erstes Beratungsgespräch wird sich der Arzt oder Apotheker ausführlich Zeit nehmen. Schließlich wird für den Patienten ein ganz individueller Medikationsplan erstellt – übrigens im Layout des Aktionsbündnisses Arzneimitteltherapiesicherheit des BMG. 

Stärkere Kooperation
Bei dem Erst-Gespräch wird es nicht bleiben. In Zukunft wird bei jeder Neuverordnung sowohl Arzt als auch Apotheker darauf achten und sich im Zweifelsfall auch miteinander beraten, welche Neuverordnung wie zu werten ist. Die AOK PLUS investiert also in die verbesserte Betreuung ihrer Versicherten. Und natürlich vergütet sie auch leistungsgerecht Arzt und Apotheker für die im Rahmen des Projektes neu zu erbringenden Aufgaben.

Unsere Hoffnung ist, dass wir bei den teilnehmenden AOK-PLUS-Versicherten eine bessere Compliance, also Regeltreue bei der mit dem Arzt und Apotheker besprochenen und vereinbarten Einnahme von Medikamenten erreichen. Davon sollte jeder teilnehmende Versicherte profitieren durch einen verbesserten Gesundheitszustand. Ob und wie sich diese Hoffnung / Zielstellung erfüllt, wollen wir selbst gern wissen und auch überprüfen. Deswegen werden wir das Projekt ARMIN unabhängig wissenschaftlich evaluieren lassen. Zum einen, um unsere Erfolge messbar zu machen. Aber natürlich auch, um zu erkennen, ob eventuell Veränderungen bzw. Anpassungen notwendig sind.

Ich will nicht verschweigen, dass es uns und allen Beteiligten in diesem Vorhaben auch um Wirtschaftlichkeit geht. Die Ressourcen im Gesundheitssystem sind schließlich endlich und sollten sinnvoll eingesetzt werden. Dieses Projekt will durchaus auch einen Beitrag zur sinnvollen Ressourcennutzung leisten.

Wir erhoffen uns zum Beispiel direkte Einsparungen durch die Aufdeckung von Doppelverordnungen und unerwünschten Nebenwirkungen. Aber wie schon gesagt: verbesserte Therapietreue und weniger Krankenhausaufenthalte verbessern zugleich die gesundheitliche Situation für die Patienten. Von den sinkenden Kosten profitiert die gesamte Versichertengemeinschaft – zusätzlich zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit. 

Praktikabilität und Datensicherheit
Um Ärzte und Apotheker bei der Betreuung der Patienten und der Zusammenarbeit untereinander zu unterstützen, haben die Vertragsteilnehmer auch eine IT-Unterstützung vereinbart. Teilnehmende Ärzte und Apotheker werden mit einem einheitlichen Schnittstellenstandard arbeiten, der in das Praxisverwaltungssystem bzw. das Apothekensystem integriert wird. Achtung: hier gibt es keine Trojaner!!!! Die Daten der IT-gestützten Medikationspläne liegen datenschutzgeprüft im sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen. Die teilnehmenden Versicherten können jederzeit einen aktuellen Medikationsplan von ihrem Arzt oder Apotheker erhalten.

Meine Damen und Herren, wir betreten Neuland. Bis hierher zu kommen, war nicht ganz einfach. In unseren Verhandlungen seit dem Februar vorigen Jahres mussten wir manche Hürde und hin und wieder eine Auszeit nehmen. Medienanfragen haben uns in den zurückliegenden Monaten, Wochen und Tagen gezeigt, dass es ein berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit an dem Thema gibt.

Jetzt ist die Offenheit und Bereitschaft der Ärzte und Apotheker in Sachsen und Thüringen gefragt, sich einzubringen und mitzumachen. Sie alle hier im Raum können uns dabei unterstützen, diese Bereitschaft herzustellen. Danke. 

Zum Start der "Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen"

Es war ein langer und steiniger Weg. Was waren die größten Hindernisse bei der Umsetzung?
Zunächst ging es darum, das gegenseitige Vertrauen zu stärken, immerhin ist eine solche institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Apothekern und Ärzten nicht selbstverständlich. Wir haben aber schnell erkannt, dass unsere Patienten davon profitieren werden, wenn wir vorhandene Gegensätze überwinden und haben einen guten Weg der Zusammenarbeit gefunden.

Für das Pilotprojekt wurde Sachsen und Thüringen ausgewählt. Warum ist die Wahl auf diese Region gefallen?
Die beiden Freistaaten eignen sich ganz besonders gut für die Erprobung, stellen sie doch in Bezug auf Demografie und Krankheitslast eine Art Zukunftslabor für die ganze Bundesrepublik dar. Aber natürlich genügt das allein nicht, es muss auch ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragspartnern geben, um ein solch komplexes Projekt auf die Beine stellen zu können, und genau dieses gibt es in Thüringen und Sachsen.

Welche Perspektiven sehen Sie für das Modellvorhaben?
Jetzt kommt es darauf an, Ärzte, Apotheker und natürlich vor allem Patientinnen und Patienten zum Mitmachen zu bewegen. Wenn das gelingt, und davon bin ich überzeugt, wird sich die Arzneimittelversorgung in unseren Bundesländern weiter verbessern, sie wird für Ärzte und Apotheker rationaler, für die AOK PLUS wirtschaftlicher und was das wichtigste ist, sie wird für die Patienten erfolgreicher, sicherer und leichter verständlich.

Artikel

Modellprojekt für sichere Arzneimitteltherapie startet im April

Wenn Harry M. abends zu Bett geht, hat er nicht nur regelmäßig sein Bierchen intus, sondern auch einen ganz speziellen Cocktail: einen Mix aus 24 verschiedenen Tabletten und Tropfen, die er über den Tag eingenommen hat. Nur einige der Medikamente wurden dem 83-Jährigen vom Hausarzt verordnet, andere von Fachärzten. Einen Teil hat er sich selbst gekauft. Weil er von einem Medikament Magenschmerzen bekommt, holt er sich in der Apotheke um die Ecke regelmäßig ein „Gegenmittel“.

„Solche Selbstmedikationen können kreuzgefährlich sein“, warnt Dr. Ulf Maywald, Bereichsleiter Arzneimittel bei der AOK PLUS. „Die Wechselwirkungen der Arzneimittel sind für den Laien meist nicht abzusehen.“ Schon so mancher Patient landete nach einem selbst zu-sammengestellten Medikamentencocktail deshalb in der Notaufnahme des Krankenhauses. Unangenehm für den Betroffenen und teuer für die Krankenkassen.

Das Problem ist nicht neu – doch jetzt wollen ihm mit vereinten Kräften Ärzte und Apotheker sowie die AOK PLUS an den Kragen. ARMIN – Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen nennt sich das Ganze und ist bundesweit ein absolutes Novum. Bereits 2011 hatten die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und die Kassenärztliche Bundesvereinigung ihr gemeinsames „Zukunftskonzept Arzneimittelversorgung“ vorgestellt. Darauf aufbauend wurde ARMIN entwickelt.

Das Modellprojekt soll die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung von Patienten mit Polypharmazie verbessern und zugleich die Lebensqualität der betroffenen Patienten erhöhen. Es startet am 1. April dieses Jahres. Vertragspartner sind der Thüringer und der Sächsische Apothekerverband, die AOK PLUS sowie die Kassenärztlichen Vereinigungen in Thüringen und Sachsen. Nach Ansicht von Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes, ist das Modell ein Gewinn für alle. „Für die Patienten erhöht sich die Therapiesicherheit. Auch die Therapietreue wird verbessert.“

Stufenweise Umsetzung
Das Vorhaben hat es in sich. Aufgrund der vielfältigen Anforderungen soll es deshalb stufenweise umgesetzt werden. Ab April können sich zunächst die Leistungserbringer in das Modellvorhaben einschreiben. Parallel werden die Ärzte und Apotheker gemeinsam über das weitere Vorgehen geschult.

Ab 1. Juli wird dann die erste Stufe des Modellvorhabens, die Wirkstoffverordnung, umgesetzt. D.h. statt Fertigarzneien verordnet der Arzt nun überwiegend nur noch Wirkstoffe und gibt die Wirkstoffstärke, die Arzneiform und die Packungsgröße an. Der Apotheker sucht unter Berücksichtigung bestehender Rabattverträge das passende Präparat aus. „Unter dem obersten Primat der Arzneimitteltherapiesicherheit haben wir uns auf 188 Wirkstoffe geeinigt“, sagt Dr. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen. Er betont: „Die Wirkstoffverordnung ist ein Schritt in die richtigen Richtung.“

In Modul 2, das ebenfalls am 1. Juli in Kraft tritt, kommt der Medikationskatalog zum Zuge. Er enthält eine Übersicht zu Arzneimitteltherapien für versorgungsrelevante Erkrankungsgebiete. Dazu gehören beispielsweise Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Osteoporose, Diabetes und Demenz. Außerdem benennt er die vorrangig gegenüber Fertigarzneimitteln einzusetzenden Wirkstoffe sowie Reservewirkstoffe. Der Medikationskatalog wird in der Verordnungssoftware des Arztes abgebildet. Die Therapiefreiheit des Arztes bleibt dabei erhalten.

Modul 3 beinhaltet das Medikationsmanagement, d.h. durch abgestimmte Kommunikation zwischen Arzt, Apotheker und Patient werden die Medikamentenverordnungen elektronisch gemanagt. Der Versicherte bringt all seine Medikamente zum Apotheker und erklärt, wofür bzw. wogegen er welches Medikament nimmt. Der Apotheker erfasst das Ganze elektronisch. Danach bewerten Arzt und Apotheker gemeinsam diese Zusammenstellung. Der Arzt klärt im Gespräch mit dem Patienten dessen Erwartungen und druckt danach den individuellen Medikationsplan aus.

Schriftliche Teilnahmeerklärung
Versicherte der AOK PLUS ab 18 Jahre, die nicht dauerhaft in stationären Pflegeeinrichtungen untergebracht sind und deren chronische Erkrankungen gleichzeitig mit mindestens fünf Wirkstoffen dauerhaft behandelt werden, können sich freiwillig für die Teilnahme am Modell-projekt entscheiden. Sie müssen diese schriftlich erklären. Der Patient wählt sich einen vertraglich gebundenen Arzt und eine Apotheke aus und verpflichtet sich, sich mindestens ein Jahr an dem Projekt zu beteiligen.

„Wichtig ist, dass die Versicherten aktiv an der Aktualisierung des Medikationsplanes mitwirken“, sagt Dr. Maywald. „Kaufen sie beispielsweise selbst Medikamente, sollen sie den Arzt oder Apotheker darüber informieren.“ Außerdem sollen sie – außer im Akutfall – vor stationären Behandlungen möglichst den von ihnen gewählten Arzt kontaktieren. „Dann erhalten die Krankenhausärzte gleich den jeweils aktuellen Medikationsplan. Das erleichtert ihnen die Arbeit und erhöht die Sicherheit für den Patienten“, nennt Maywald einen weiteren Vorteil des Projektes.

Umfangreiche IT-Lösungen notwendig
Die Einschreibung der Versicherten in das Modellprojekt ist frühestens zum 1. Januar 2015 möglich. Grund ist, dass bis zum Start umfangreiche IT-Lösungen notwendig sind. Sowohl die am Modell teilnehmenden Ärzte als auch die Apotheker sollen auf eine gemeinsame Datenbank zugreifen können. Diese ist das Herzstück des Projektes. Hier sollen zum einen die dem Patienten vom Vertragsarzt verordneten Arzneimittel erfasst werden, zum anderen aber auch Privatverordnungen und selbst gekaufte Arzneimittel.

Als unabhängiger Dritter überwacht das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein das Modell auf Einhaltung des Datenschutzes. Es vergibt als einziges bundesweit ein entsprechendes Prüfsiegel.

Kostenneutrale bessere
Versorgung Ärzte und Apotheker, die sich an dem Modell beteiligen, erhalten dafür eine zusätzliche Vergütung. „Wir möchten möglichst viele von ihnen motivieren, mitzumachen“, begründet Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS. „Dieses Geld ist gut angelegt, dient es doch zuallererst dem Schutz unserer Versicherten.“ Die Vergütung wird zum einen für ausführliche Patientengespräche gezahlt. Ein zweiter Teil wird erfolgsabhängig gewährt. So müssen sich die Ärzte an die Vorgaben des Medikationskataloges halten. Die Apotheker sichern, dass die Rabattverträge im Bereich der patentfreien Arzneimittel weiter erfolgreich umgesetzt werden.

Neben niedrigeren Arzneimittelausgaben kalkulieren die Experten der AOK PLUS auch abnehmende Krankenhausausgaben aufgrund sinkender Klinikeinweisungen. „Wir rechnen damit, dass das neue Angebot für unsere Versicherten unterm Strich kostenneutral für die AOK PLUS ist und zugleich die Versorgungsqualität entscheidend verbessert“, kündigt Striebel an.

Das Modellvorhaben läuft bis Ende 2018. Es wird extern wissenschaftlich ausgewertet. Bewährt es sich in der Praxis, hat es gute Chancen, eines Tages zum festen Bestandteil des Versorgungsangebotes der AOK PLUS zu gehören. 

Mit der "Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen" (ARMIN) soll vor allem für chronisch kranke Menschen, die mehr als vier Medikamente täglich einnehmen müssen, mittels intensiver Beratung die Therapiesicherheit verbessert und das Risiko von Einnahmefehlern verringert werden. Kerngedanke ist die Verordnung von Wirkstoffen anstelle von Fertigarzneimitteln. Die Teilnahme ist für Ärzte, Apotheker und Versicherte freiwillig. 

Für den Dresdner Allgemeinmediziner Dr. Reiko Tacke ist ARMIN ein sinnvolles Projekt. Fast jeder dritte Patient in seiner Praxis gehört zur Gruppe der älteren multimorbiden Menschen. "Ich habe nicht den Ehrgeiz, das Medikament einer bestimmten Firma aufzuschreiben", sagt Tacke, der während einer längeren ärztlichen Tätigkeit im Ausland bereits „"sehr gute Erfahrungen mit dem Verschreiben von Wirkstoffen gemacht" hat.

Der Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Dr. Klaus Heckemann, sieht in der Wirkstoffverordnung eine "konsequente Folge von Rabattverträgen“. "Die Wirkstoffverordnung wird sich durchsetzen", so Heckemann, der sich durch das Projekt eine bessere Compliance der Patienten verspricht.

Als größten Vorteil des Projekts für Ärzte nennt die 1. Vorsitzende der KV Thüringen, Dr. Annette Rommel, "die doppelte, koordinierte Beratung durch den Hausarzt und den Apotheker". Ohnehin hätten nur wenige Patienten Probleme mit der Umstellung auf Generika, deren Qualität "in der Regel sehr hoch ist". Rommel: "Ich bin da ganz pragmatisch. ,Mein Mann nimmt das auch‘ ist für viele Patienten ein überzeugendes Argument", so Rommel.

ARMIN ist ein Projekt der Kassenärztlichen Vereinigungen und Apothekerverbände in Sachsen und Thüringen sowie der AOK PLUS, das auf den drei Modulen Wirkstoffverordnung, Medikationskatalog und Medikationsmanagement basiert. Es wird stufenweise umgesetzt: Los geht es im Juli mit den Modulen Wirkstoffverordnung und Medikationskatalog. Dafür wurden rund 200 Arzneistoffe ausgewählt, die in der hausärztlichen Versorgung bedeutsam sind und hinsichtlich einer Substitution als unkritisch gelten.

Zudem wurde ein neues qualitätsgesichertes Verfahren für die Verordnung und Abgabe dieser Wirkstoffe entwickelt: Mithilfe eines elektronischen Verwaltungssystems wird in der Arztpraxis automatisch eine standardisierte Wirkstoff-Verordnungszeile erzeugt. Der Apotheker wählt anschließend anhand des vom Arzt auf dem Rezept vermerkten Wirkstoffs das passende Präparat aus. Die Therapieentscheidung des Arztes bleibt unangetastet. Gleichzeitig werden den Ärzten für bestimmte Krankheiten Therapieempfehlungen in einem Medikationskatalog zur Verfügung gestellt. Der Katalog listet evidenzbasiert Standard- und Reservewirkstoffe für wichtige Indikationen der Grundversorgung auf. Er umfasst zunächst die Indikationen Hypertonie, Herzinsuffizienz, Koronare Herzerkrankung, Vorhofflimmern, Fettstoffwechselstörung, Osteoporose, Depression und Demenz.

Als letzte Stufe wird Anfang 2015 das Medikationsmanagement gestartet. Dessen wesentlicher Bestandteil ist das Ausstellen eines Medikationsplanes für den Patienten, dessen Betreuung Arzt und Apotheker gemeinsam übernehmen. Für den Dredner Hausarzt Tacke ein echter Vorteil gegenüber dem Ist-Zustand: "Durch dieses Zusammenspiel habe ich einen deutlich besseren Überblick darüber, welche Medikamente meine Patienten tatsächlich einnehmen. Das ist bisher nicht unbedingt gegeben, zum Beispiel, wenn ein Patient verschiedene Fachärzte aufsucht." Tacke würde es begrüßen, wenn ARMIN noch ausgeweitet würde: "Pflegeheimpatienten sind von dem Projekt ausgenommen. Das wäre sicher noch verbesserungswürdig."

Die zusätzlich nötigen Patientenberatungen durch die Wirkstoffverordnung und das zeitintensive Medikationsmanagement werden extra vergütet. Laut AOK-PLUS-Vorstandschef Rainer Striebel erhalten Ärzte und Apotheker im ersten Jahr für jeden AOK-PLUS-Patienten jeweils ein Honorar in Höhe von 157,50 Euro. Zudem trägt die Gesundheitskasse die Investitionskosten für die Umstellung der Software in Praxis und Apotheke.

In Sachsen und Thüringen gibt es den bundesweit höchsten Anteil multimorbider Patienten, die dauerhaft mehrere unterschiedliche Medikamente täglich benötigen. Von den 2,7 Millionen Versicherten der AOK PLUS betrifft dies der Kasse zufolge rund 300.000 Patienten.

Ärztezeitung proDialog Juni 2014 (PDF, 1.72MB)

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